Nachhaltiger Thunfisch kaufen: Tipps für bewussten Genuss

Timo van Loon

Nachhaltiger Thunfisch kaufen: Tipps für bewussten Genuss

Lesezeit 5 Minuten

Du stehst im Supermarkt vor dem Regal. Vor dir liegen Dosen und Gläser mit Thunfisch. Der eine ist „wild gefangen“, der andere „aus nachhaltigem Fang“. Vielleicht fragst du dich: Was bedeutet das eigentlich? Und wie treffe ich wirklich eine gute Entscheidung, wenn ich Thunfisch kaufen möchte, ohne dabei Meere und Fische unnötig zu belasten? Diese Unsicherheit kenne ich gut. Viele Menschen wollen guten Fisch essen, aber die Etiketten und Siegel verwirren oft. Lass uns gemeinsam Licht ins Dunkel bringen. Es geht darum, wie du als Konsument wirklich etwas bewirken kannst, wenn du deinen Thunfisch nachhaltig aussuchen möchtest.

Warum überhaupt über nachhaltigen Thunfisch nachdenken?

Thunfisch ist lecker, gesund und vielseitig. Aber die Geschichte vieler Thunfischarten ist kompliziert. Diese großen, schnellen Fische sind wichtig für das Ökosystem Meer. Wenn wir zu viel fangen oder die falschen Fangmethoden nutzen, bringen wir ganze Bestände in Gefahr. Einige Thunfischarten, wie der Rote Thun, sind stark bedroht. Dein Kauf hat also direkte Auswirkungen darauf, wie diese Fischbestände in Zukunft aussehen.

Wenn du dich fragst, warum es so kompliziert ist, den nachhaltigen Thunfisch zu finden, liegt das oft an der schieren Größe der Fischerei. Es gibt verschiedene Thunfischarten, die unterschiedlich stark gefährdet sind. Der Echte Bonito (Skipjack) ist oft häufiger zu finden als der Weiße Thun (Albacore). Deshalb reicht es nicht, nur auf „Thunfisch“ zu schauen. Du musst wissen, um welche Art es sich handelt und wie sie gefangen wurde.

Nachhaltiger Thunfisch kaufen: Tipps für bewussten GenussDie zwei wichtigsten Kriterien: Art und Fangmethode

Für den Kauf von nachhaltigem Fisch sind diese beiden Punkte entscheidend. Sie stehen oft auf dem Etikett oder du musst etwas genauer hinschauen. Lass uns das genauer aufschlüsseln.

1. Welche Thunfischart kaufe ich?

Nicht jeder Thunfisch ist gleich. Hier die gängigsten Arten, die du im Handel findest, und wie es um ihren Zustand bestellt ist:

  • Echter Bonito (Skipjack): Diese kleinen Thunfische sind meistens die Basis für Dosen-Thunfisch. Sie vermehren sich relativ schnell. Sie sind oft die nachhaltigere Wahl, aber nur, wenn die Fangmethode stimmt.
  • Weißer Thun (Albacore): Diese Art ist größer und wird oft als „Steak“ verkauft oder in festerer Form in Dosen angeboten. Einige Bestände sind gut, andere weniger. Hier ist die Herkunft wichtig.
  • Gelbflossenthun (Yellowfin): Diese Art wird oft als Filet oder in Premium-Dosen verkauft. Viele Bestände sind überfischt oder zumindest unter Druck. Hier solltest du besonders auf Zertifizierungen achten.
  • Roter Thun (Bluefin): Achtung! Diese riesigen Fische sind hochgefährdet. Der Handel damit ist streng reguliert. Wenn du ihn siehst, solltest du ihn lieber meiden, wenn du sichergehen willst, dass dein Kauf ethisch vertretbar ist.

2. Wie wurde der Fisch gefangen?

Die Fangmethode ist oft wichtiger als die Art selbst. Hier entscheidet sich, ob Beifang entsteht oder ob das Ökosystem geschont wird.

Stell dir vor, du wirfst ein riesiges Netz aus, das alles einsammelt, was im Weg ist. Das ist oft die Methode mit der Langleine oder dem Ringwadennetz. Diese Methoden sind sehr effizient, aber sie fangen leider oft unerwünschte Tiere mit – junge Thunfische, Haie, Schildkröten. Man nennt das Beifang. Wenn du Thunfisch nachhaltig kaufen willst, meide diese Methoden, wenn möglich.

Was ist besser? Achte auf Kennzeichnungen wie „Handangel“ oder „Pole and Line“. Hierbei angelt eine Person den Fisch einzeln. Das ist zwar aufwendiger und teurer, aber es gibt praktisch keinen Beifang. Es ist die schonendste Methode, wie man Thunfisch fangen kann.

Sei ein Detektiv beim Etikettelesen: Siegel und Zertifikate

Du fragst dich, wie du diese Informationen schnell im Laden findest? Hier kommen Siegel und Zertifikate ins Spiel. Sie sollen dir helfen, die Entscheidung zu erleichtern, aber auch sie können verwirrend sein. Nicht jedes Siegel ist gleich streng. Sie bieten jedoch einen Anhaltspunkt, um nachhaltige Landwirtschaft zu unterstützen.

Wenn du nach besseren Optionen beim Thunfischkauf suchst, halte Ausschau nach diesen zwei Hauptakteuren:

  1. MSC (Marine Stewardship Council): Dieses Siegel fokussiert sich darauf, ob der Bestand gesund ist und die Fischerei umweltfreundlich arbeitet. MSC ist oft eine gute Wahl, besonders für Weißfisch, aber beim Thunfisch schauen Experten oft noch genauer hin.
  2. FOS (Friend of the Sea) oder MSC für Thunfisch: Beim Thunfisch gibt es spezielle Richtlinien. Achte darauf, dass die Zertifizierung auch die Fangmethode berücksichtigt. Ein MSC-zertifizierter Skipjack, der mit Ringwadennetz und Lockbojen gefangen wurde, ist immer noch problematisch wegen des Beifangs von Jungfischen. Suche gezielt nach MSC-zertifiziertem Skipjack, der OHNE Lockbojen gefangen wurde.

Denke daran: Ein Siegel bedeutet nicht automatisch Perfektion, aber es ist ein guter Anhaltspunkt. Es zeigt, dass sich jemand mit dem Fang beschäftigt hat und bestimmte Standards einhalten muss, um das Etikett zu bekommen. Wenn du unsicher bist, ist die Fangmethode „Handangel“ oft die sicherste Wahl, auch wenn sie seltener ist.

Der Weg zum besten Thunfisch: Praktische Schritte für deinen Einkauf

Wie setzt du das jetzt im Alltag um? Hier sind klare Schritte, die dir helfen, deinen Thunfischkonsum bewusster zu gestalten.

  • Schritt 1: Bevorzuge kleinere Arten. Wähle, wenn möglich, den Echten Bonito (Skipjack) vor dem Gelbflossenthun, da Skipjack-Bestände oft robuster sind.
  • Schritt 2: Prüfe die Fangmethode. Suche aktiv nach „Pole and Line“ (Handangel). Wenn das nicht auf der Dose steht, suche nach MSC oder FOS, aber sei kritisch, was die verwendeten Netze angeht. Vermeide Dosen, auf denen nur „Ringwadennetz“ steht.
  • Schritt 3: Informiere dich über das Fanggebiet. Wenn du den Albacore (Weißen Thun) kaufst, schaue nach dem Fanggebiet. Bestände im Nordatlantik sind oft besser bewertet als jene im Indischen Ozean.
  • Schritt 4: Reduziere deinen Konsum. Die beste Maßnahme für die Meere ist, weniger Thunfisch zu essen. Tausche ihn gelegentlich gegen nachhaltigere Alternativen aus.

Nachhaltige Alternativen, die du kennen solltest

Wenn du merkst, dass die Suche nach dem „perfekten“ Thunfisch zu kompliziert wird, oder wenn du einfach eine Pause brauchst, gibt es tolle Alternativen, die deinen Salat, dein Sandwich oder deine Pasta bereichern können. Du musst nicht auf den herzhaften Fischgeschmack verzichten.

Denk an kleinere, schnelllebige Fische, die oft weniger Probleme mit Überfischung haben und weniger schädliche Stoffe anreichern, weil sie weiter unten in der Nahrungskette stehen. Diese Fische sind oft auch regional verfügbar, was Transportwege spart. Solche nachhaltigen Ansätze sind nicht nur in der Fischerei, sondern auch in der nachhaltigen Landwirtschaft wichtig.

Hier sind ein paar gesunde und umweltschonende Fischalternativen für dich:

  • Sardinen und Hering: Diese kleinen Schwarmfische sind oft mit Siegeln versehen und vermehren sich extrem schnell. Sie sind reich an Omega-3-Fettsäuren und du findest sie oft in guter Qualität.
  • Makrele: Ähnlich wie Sardinen ist die Makrele ein guter, nachhaltiger Kandidat, solange du auf Herkunft und Fanggebiet achtest.
  • Regionale Zuchtfische: In Deutschland gibt es gute Forellen- oder Zanderzuchten. Wenn du dich über die Haltungsbedingungen informierst, kannst du hier eine sehr gute Wahl treffen und den Thunfisch ersetzen.

Es ist wichtig zu wissen, dass es nicht darum geht, von heute auf morgen perfekt zu sein. Jeder bewusste Griff im Laden ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn du beim nächsten Einkauf den Thunfisch anschaust, frage dich: „Wie wurde dieser Fisch gefangen?“ Diese einfache Frage verändert deine Kaufentscheidung schon enorm und unterstützt die Fischereien, die sich um die Zukunft der Meere kümmern.

häufig gestellte fragen

VIDEO: Wie nachhaltig ist Fisch? Und welchen kann man noch mit gutem Gewissen essen? #lebensmittel #tipps

Vertiefende Links

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was bedeutet eigentlich beifang?

Beifang beschreibt alle Meerestiere, die versehentlich mit dem Fanggerät an Bord kommen, aber nicht die Zielfische sind, also zum Beispiel junge Fische, Delfine oder Schildkröten. Wenn du nachhaltigen Fisch kaufst, vermeidest du Methoden, die viel Beifang produzieren.

ist bio-thunfisch immer nachhaltiger?

Der Begriff „Bio“ ist beim Wildfang wie Thunfisch nicht so klar definiert wie bei Landwirtschaftsprodukten. Achte stattdessen auf spezifische Siegel wie MSC oder das Label, das „Pole and Line“ (Handangel) garantiert. Diese Siegel beziehen sich direkter auf die Bestandsgesundheit und Fangmethode.

sollte ich nur noch thunfisch aus der dose kaufen?

Nein, das ist nicht nötig. Sowohl Dosenware als auch frische Thunfischsteaks können nachhaltig sein. Wichtig ist immer die Herkunft und die Fangmethode, egal in welcher Form der Thunfisch verkauft wird. Frischer Thunfisch bietet dir oft die Möglichkeit, direkt beim Händler nachzufragen.

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