Du stehst im Supermarkt vor dem Regal. Links das Dosen-Thunfisch-Angebot, rechts die teurere Bio-Variante. Dein Kopf rattert: Welcher Thunfisch ist eigentlich der Richtige? Die Entscheidung für nachhaltigen Thunfisch fühlt sich oft kompliziert an. Du möchtest deinen Salat bereichern, aber gleichzeitig die Meere nicht unnötig belasten. Das ist ein Gefühl, das viele kennen. Lass uns gemeinsam Licht in diesen Dosen-Dschungel bringen. Ich zeige dir, worauf du achten musst, damit dein nächster Thunfischkauf wirklich ein guter Kauf wird.
Warum ist die Wahl des Thunfischs überhaupt wichtig?
Thunfisch ist beliebt. Er ist proteinreich, vielseitig und günstig, wenn man die Massenware betrachtet. Aber diese Beliebtheit hat einen hohen Preis für die Ozeane. Es geht nicht nur darum, ob die Fischbestände groß genug sind. Es geht auch darum, wie der Fisch gefangen wird. Viele Fangmethoden zerstören den Meeresboden oder töten unbeabsichtigt andere Meerestiere. Vielleicht hast du schon einmal von Beifang gehört – das sind Fische, Schildkröten oder Haie, die im Netz landen, obwohl niemand sie wollte. Wenn du umweltfreundlichen Thunfisch kaufen möchtest, musst du diese Fangmethoden verstehen.
Die großen Probleme beim Thunfischfang
Es gibt verschiedene Thunfischarten, und die Probleme unterscheiden sich je nach Art. Der Gelbflossenthunfisch, oft in Dosen zu finden, ist besonders gefährdet, weil er schnell wächst und sich nicht so schnell vermehrt wie kleine Fische. Aber der Fang ist das Hauptproblem. Stell dir vor, du willst nur eine Stecknadel finden, benutzt aber einen riesigen Industriestaubsauger. Genau das passiert bei einigen Methoden.
- Ringwadenfischerei (mit oder ohne FADs): Das ist eine riesige Netzmethode, die ganze Schwärme umschließt. Wenn dabei sogenannte FADs (Fish Aggregating Devices – treibende Objekte, die Fische anziehen) eingesetzt werden, wird es schlimm. Bojen und Netze locken nicht nur den Zielthunfisch an, sondern auch junge Fische und Haie.
- Langleinenfischerei: Hier werden kilometerlange Leinen mit tausenden von Haken ausgelegt. Schildkröten, Seevögel und Haie verfangen sich oft daran.
- Haken-und-Leine-Fischerei: Das ist die schonendste Methode, weil sie meistens einzelne Fische gezielt fängt. Sie ist aber arbeitsintensiver und daher teurer.
Dein Ziel ist es, Fisch zu finden, der mit Haken und Leine oder mit Netzen ohne FADs gefangen wurde. Das reduziert den Beifang drastisch und schont kleinere oder juvenile Tiere.
Wie du nachhaltigen Thunfisch im Supermarkt erkennst
Die Etiketten sind verwirrend. MSC, Bio, Marine Stewardship Council – was bedeutet das alles für deinen gesunden und nachhaltigen Thunfischkonsum?
Die Bedeutung von Gütesiegeln
Siegel sollen dir helfen, schnell eine Entscheidung zu treffen. Aber nicht alle Siegel sind gleichwertig. Schaue genau hin, was das Siegel verspricht.
- MSC (Marine Stewardship Council): Das ist das bekannteste Siegel. Es garantiert, dass der Fisch aus einem Bestand stammt, der wissenschaftlich bewertet wurde und nicht überfischt ist. Wichtig: MSC sagt wenig über die Fangmethode aus. Ein MSC-zertifizierter Fisch kann immer noch mit Ringwaden und FADs gefangen worden sein. Dennoch ist es ein guter erster Anhaltspunkt, wenn du keinen anderen Hinweis findest.
- Dolphin Safe: Dieses Siegel ist oft irreführend. Es garantiert nur, dass keine Delfine direkt verletzt wurden. Es sagt nichts über Beifang von Schildkröten oder über die Überfischung des Bestandes aus. Ich rate dir, diesem Siegel nicht zu viel Gewicht beizumessen.
- Bio-Siegel (z.B. EU-Bio-Siegel): Diese Siegel beziehen sich meist auf die Zucht (was bei Thunfisch selten ist) oder auf sehr strenge Vorgaben für Fanggebiete und Fangmethoden, oft ähnlich der Haken-und-Leine-Methode. Hier musst du die spezifischen Richtlinien der jeweiligen Zertifizierung prüfen.
Mein Tipp: Kombiniere Siegel. Suche nach dem MSC-Siegel in Verbindung mit der Information, dass Haken und Leine verwendet wurden. Das gibt dir die größte Sicherheit beim Kauf von umweltverträglichem Thunfisch.
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Wichtige Links
Tauche tiefer in das Thema Nachhaltiger Thunfisch kaufen: Tipps für bewussten Konsum ein – mit diesen hilfreichen Quellen.
Achte auf die Fischart und Herkunft
Nicht jeder Thunfisch ist gleich. Wenn du wirklich verantwortungsvoll einkaufen willst, musst du die Arten unterscheiden lernen. Das ist entscheidend, um Fischerei mit geringem Beifang zu unterstützen.
- Skipjack (Echter Bonito): Dieser ist am häufigsten in Dosen und meist die am wenigsten gefährdete Art. Er wird oft mit Ringwaden gefangen. Suche hier gezielt nach der Haken-und-Leine-Methode.
- Yellowfin (Gelbflossen): Wegen seines guten Geschmacks beliebt, aber oft stärker überfischt. Hier ist größte Vorsicht geboten, besonders bei Fängen aus dem Pazifik.
- Albacore (Weißer Thun): Dieser wird oft im Atlantik gefangen. Wenn er mit Langleinen gefangen wurde, ist der Beifang ein größeres Thema. Suche nach der Haken-und-Leine-Option.
Wenn auf der Dose nur „Thunfisch“ steht, ist das fast immer Skipjack. Wenn die Art genannt wird (z.B. „Thunfischfilet“), hast du bessere Chancen, die Herkunft zu prüfen.
Praktische Schritte für deinen nächsten Einkauf
Du fragst dich jetzt sicher: Wie mache ich das im hektischen Alltag? Du musst nicht zum Meeresbiologen werden, um gute Entscheidungen zu treffen. Es geht um kleine, bewusste Schritte.
Schritt 1: Der Blick auf die Verpackung
Bevor du zur günstigsten Option greifst, nimm dir 30 Sekunden Zeit. Suche nach diesen Schlüsselwörtern auf dem Etikett, die dir helfen, die Produkte der nachhaltigen Landwirtschaft zu identifizieren:
- Fangmethode: Ist „Haken und Leine“ (Pole and Line) angegeben? Super.
- Zertifizierung: Ist ein anerkanntes Siegel (z.B. MSC) vorhanden? Gut.
- Art und Fanggebiet: Steht die Art drauf? Noch besser.
Wenn die Verpackung sehr vage bleibt und nur von „Wildfang“ spricht, ist das ein Warnsignal für dich. Nachhaltige Thunfischalternativen sind oft teurer, aber du bezahlst hier für die Transparenz der Lieferkette.
Schritt 2: Alternative Proteine nutzen
Musst du wirklich jede Woche Thunfisch essen? Wenn du Zweifel hast, reduziere die Häufigkeit. Das ist der einfachste Weg, deinen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Überlege, welche anderen Proteine du stattdessen nutzen kannst, wenn du gerade keinen wirklich nachhaltig gefangenen Thunfisch findest.
Denk an:
- Linsen oder Kichererbsen für deinen Salat-Topping.
- Eier, wenn du sie verträgst, als schnelle Eiweißquelle.
- Kleine, schnell wachsende Fische wie Sardinen oder Hering. Diese gelten oft als viel nachhaltiger, da sie weniger Quecksilber ansammeln und schneller nachwachsen.
Schritt 3: Vertrauenswürdige Quellen suchen
Manche Fischhändler oder spezialisierte Supermärkte beziehen ihren Thunfisch direkt von kleinen Kutterfischern oder haben eigene Lieferketten aufgebaut, die sie genau prüfen können. Wenn du oft Fisch kaufst, lohnt es sich, einen lokalen Händler zu finden, dem du vertraust und dem du direkt Fragen stellen kannst. Erkläre ihm deine Bedenken bezüglich Beifang und überfischten Beständen.
Die Industrie reagiert auf Nachfrage. Je mehr Kunden explizit nach „Haken und Leine“ fragen, desto mehr Anbieter werden umstellen. Du hast durch deinen Kauf eine reale Macht, etwas zu verändern.
Die Quecksilberfrage: Ein Aspekt der Nachhaltigkeit
Neben der Fangmethode spielt auch die Schadstoffbelastung eine Rolle, besonders wenn du oft Thunfisch isst. Große, langlebige Raubfische reichern Schwermetalle wie Quecksilber an. Das ist ein wichtiger Punkt für deine Gesundheit.
Welche Thunfischarten sind tendenziell stärker belastet?
- Großaugenthunfisch und Gelbflossenthunfisch: Sie sind älter und größer und haben daher tendenziell höhere Quecksilberwerte.
- Skipjack (Bonito): Diese bleiben kleiner und jünger, daher ist die Quecksilberbelastung oft geringer.
Wenn du gesunden Thunfisch für Kinder suchst oder einfach nur täglich Thunfisch isst, greife lieber zu Skipjack (Bonito) aus nachhaltigem Fang. Der Albacore (Weißer Thun) liegt beim Quecksilbergehalt oft dazwischen.
Häufig gestellte fragen
wie erkenne ich schonenden fang?
Achte auf die Angabe „Haken und Leine“ oder „Pole and Line“ auf der Verpackung. Diese Methode fängt die Fische einzeln und vermeidet fast vollständig den Beifang anderer Meerestiere wie Schildkröten oder Haie.
ist bio-thunfisch immer besser?
Bio-Siegel können gut sein, aber sie decken verschiedene Bereiche ab. Überprüfe immer, ob das Bio-Siegel spezifische Kriterien für die Fangmethode erfüllt, da es nicht automatisch eine schonende Fischerei garantiert.
soll ich lieber auf dosen verzichten?
Nein, du musst nicht komplett verzichten. Wenn du deine Kaufentscheidungen informierter triffst und seltener kaufst, unterstützt du bereits nachhaltigere Praktiken. Reduziere die Häufigkeit und achte beim Kauf auf die oben genannten Kriterien.









