Nachhaltige themenfonds

Timo van Loon

Nachhaltige themenfonds

Lesezeit 5 Minuten

Du stehst vor der Entscheidung, dein Geld anzulegen. Vielleicht hast du schon von Aktien oder Fonds gehört. Aber gleichzeitig macht dich das aktuelle Weltgeschehen nachdenklich. Du fragst dich: Geht das auch anders? Kann ich mit meinem Geld etwas Gutes bewirken, statt einfach nur auf kurzfristigen Gewinn zu schauen? Wenn du mit diesem Gefühl nach nachhaltigen themenfonds suchst, dann bist du hier genau richtig. Ich nehme dich jetzt an die Hand und erkläre dir ganz in Ruhe, was das eigentlich ist und wie du damit deine eigenen Werte in deine Geldanlage einfließen lässt.

Was sind nachhaltige themenfonds überhaupt?

Stell dir vor, du kaufst ein Produkt. Du schaust vielleicht auf die Inhaltsstoffe, fragst dich, woher das Holz für deinen Tisch kommt oder wie fair die Arbeiter in der Fabrik behandelt wurden. Genau das Gleiche kannst du auch mit deinem Geld machen. Nachhaltige themenfonds sind Investmentfonds, die nicht nur auf die Rendite achten. Sie legen zusätzlich strenge Regeln fest, was die Unternehmen in diesem Fonds tun dürfen und was nicht.

Der Unterschied zu einem klassischen Fonds ist einfach: Bei einem traditionellen Fonds zählen primär Gewinnmargen und Marktanteile. Bei einem nachhaltigen Fonds kommt eine dritte, wichtige Säule hinzu: Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance), oft kurz ESG genannt. Es geht darum, wie umweltfreundlich ein Unternehmen agiert, wie es mit seinen Mitarbeitern umgeht und wie transparent die Chefs arbeiten.

Der thematische Fokus: Mehr als nur grün

Das Wort „Themenfonds“ ist hier entscheidend. Es bedeutet, dass der Fonds einen ganz bestimmten Schwerpunkt setzt. Nachhaltigkeit ist da nur der Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens kann es dann sehr spezifisch werden. Vielleicht interessiert dich die Energiewende besonders? Oder du möchtest gezielt in sauberes Wasser investieren?

Hier sind ein paar Beispiele für die Themen, die du in solchen Fonds finden kannst:

  • Erneuerbare Energien: Firmen, die Windkraft, Solarenergie oder Geothermie vorantreiben. Das ist ein Klassiker unter den nachhaltigen investments.
  • Kreislaufwirtschaft (Circular Economy): Unternehmen, die Müll vermeiden, Produkte reparieren oder wiederverwerten, statt sie wegzuwerfen.
  • Gesundheit und Ernährung: Firmen, die sich auf nachhaltige Landwirtschaft, pflanzliche Proteine oder innovative Medizintechnik konzentrieren.
  • Nachhaltige Infrastruktur: Investitionen in umweltfreundlichen Wohnungsbau oder nachhaltige Verkehrssysteme.

Wenn du dich für ein solches Thema entscheidest, kaufst du mit deinem Geld quasi Anteile an Unternehmen, die aktiv an Lösungen für diese großen Herausforderungen arbeiten. Du unterstützt damit eine Entwicklung, die dir wichtig ist.

Nachhaltige themenfondsWie erkenne ich wirklich nachhaltige fonds?

Das ist der Punkt, an dem viele zögern. Die Versuchung ist groß, dass sich Fondsmanager einfach nur einen „grünen Anstrich“ geben. Dieses Phänomen nennt man Greenwashing. Du fragst dich zurecht: Wie bekomme ich heraus, ob ein Fonds wirklich das hält, was er verspricht? Wie vermeide ich, in einen Fonds zu investieren, der nur oberflächlich nachhaltig wirkt?

Achte auf die Ausschlusskriterien (Negativ-Screening)

Ein guter erster Schritt ist das sogenannte Negativ-Screening. Hier schließt der Fondsmanager bestimmte Branchen komplett aus. Das ist oft die einfachste und klarste Grenze.

Frage dich oder schau in die Unterlagen des Fonds, ob folgende Dinge ausgeschlossen sind:

  • Investitionen in Waffenproduzenten oder Rüstungsfirmen.
  • Firmen, die aktiv Kohle abbauen oder stark von fossilen Brennstoffen abhängig sind.
  • Unternehmen mit bekannten oder schweren Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette.
  • Firmen, die stark im Tabak- oder Glücksspielsektor aktiv sind.

Wenn ein Fonds solche klaren Ausschlusskriterien hat, ist das schon mal ein gutes Zeichen, dass hier ernsthaft nachgedacht wurde.

Die positiven Kriterien (Positiv-Screening und Impact)

Noch wichtiger ist, was der Fonds aktiv auswählt. Hier wird es themenspezifisch. Achte auf Begriffe wie „Best-in-Class“ oder „Impact Investing“.

Best-in-Class: Das bedeutet, der Fonds wählt nicht nur die besten Unternehmen einer Branche aus, sondern die relativ besten im Hinblick auf ESG-Kriterien. Wenn die gesamte Branche noch nicht perfekt ist, sucht der Fonds die „am wenigsten schlechte“ oder die fortschrittlichste Firma dieser Sparte aus.

Impact Investing: Das ist die Königsklasse. Hier investiert der Fonds gezielt in Unternehmen, von denen ein messbarer, positiver Einfluss erwartet wird. Du willst zum Beispiel wissen, wie viele Tonnen CO2 durch deine Investition vermieden wurden. Achte auf Berichte, die zeigen, welche konkreten positiven Effekte erzielt wurden, wie hier in unserer Übersicht zu nachhaltigen Projekten.

Die Rolle der Ratingagenturen

Gerade für Einsteiger sind externe Bewertungen hilfreich. Es gibt unabhängige Ratingagenturen (wie MSCI oder Sustainalytics), die Unternehmen und Fonds nach ESG-Kriterien bewerten. Diese Bewertungen sind zwar auch nicht perfekt, bieten aber einen schnellen Überblick über die Seriosität der Nachhaltigkeitsbemühungen. Wenn ein Fonds eine sehr gute Bewertung von diesen Agenturen hat, kannst du davon ausgehen, dass die Nachhaltigkeitsstrategie tief im Fonds verankert ist und nicht nur ein Marketing-Gag.

Deine schritte zum passenden nachhaltigen themenfonds

Du weißt jetzt, was diese Fonds sind und worauf du achten musst. Jetzt kommt der praktische Teil. Wie findest du *deinen* Fonds?

Schritt 1: Was ist dir persönlich wichtig?

Nimm dir einen Moment Zeit und frage dich ehrlich: Welche Themen berühren dich am meisten? Geht es dir primär darum, den Klimawandel zu bekämpfen? Oder siehst du die größte Chance darin, soziale Ungleichheit zu verringern? Vielleicht ist es auch die Wasserversorgung, die dir am Herzen liegt, weil du weißt, wie wertvoll sauberes Wasser ist.

Deine persönliche Priorität bestimmt die Richtung. Wenn du dich für nachhaltige themenfonds für den klimaschutz interessierst, suchst du anders, als wenn du dich auf soziale themenfonds konzentrieren möchtest.

Schritt 2: Die Laufzeiten und Risiken verstehen

Auch nachhaltige Fonds sind Aktienfonds. Das bedeutet: Sie schwanken. Wenn du über nachhaltige fonds für langfristigen vermögensaufbau nachdenkst, solltest du einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren haben. Kurzfristige Marktschwankungen sind normal. Lass dich davon nicht aus der Ruhe bringen, besonders wenn du fest an die zugrundeliegenden Themen glaubst.

Schau dir unbedingt die Kosten an. Fonds haben laufende Kosten (die sogenannte Gesamtkostenquote, TER). Achte darauf, dass diese Kosten im Rahmen bleiben, denn hohe Kosten schmälern deine Rendite, egal wie gut die Absichten des Fonds sind. Viele etablierte Anbieter haben inzwischen faire Kostenstrukturen für ihre nachhaltigen Angebote.

Schritt 3: Die anbieter- und fondsunterlagen prüfen

Wenn du ein paar Fonds in die engere Auswahl genommen hast, hole die offiziellen Dokumente des Anbieters hervor. Das klingt trocken, ist aber essenziell. Du suchst nach dem „Verkaufsprospekt“ oder dem „Wesentliche Anlegerinformationen“ (KID).

Dort findest du die genauen Angaben:

  1. Welche Branchen sind ausgeschlossen?
  2. Wie wird die Nachhaltigkeit gemessen und belegt (Impact-Berichte)?
  3. Welche Indexvorlage nutzt der Fonds und wie weicht er davon ab?

Scheue dich nicht, bei Unsicherheiten deinen Berater zu fragen oder direkt bei der Fondsgesellschaft nachzufragen, wie sie die Nachhaltigkeit konkret umsetzen. Ein seriöser Anbieter beantwortet diese Fragen gerne.

Schritt 4: Die performance im blick behalten

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass nachhaltige Anlagen immer schlechtere Renditen erzielen. Das stimmt heute so nicht mehr. Viele Studien zeigen, dass Unternehmen, die ESG-Kriterien ernst nehmen, oft stabiler und widerstandsfähiger sind. Sie vermeiden Skandale, sind innovativer und besser auf zukünftige Regulierungen vorbereitet.

Vergleiche die Performance deines gewählten nachhaltigen themenfonds mit einem passenden, breiter gestreuten Index (wie dem MSCI World). Du musst nicht immer besser sein als der breite Markt, aber du solltest sehen, dass der nachhaltige Ansatz deine Ziele nicht fundamental ausbremst. Wenn der Fonds langfristig solide läuft, hast du das Beste aus beiden Welten: gutes Gewissen und gute Chancen.

Häufig gestellte fragen

kann ich auch nur mit einem ETF nachhaltig investieren?

Ja, das ist eine sehr gute Alternative. ETFs, die nachhaltige Indizes abbilden, sind oft kostengünstiger als aktiv gemanagte Fonds. Achte hier besonders auf die Art des abgebildeten Index, ob er strenge Ausschlusskriterien nutzt oder ob er nur auf die „besten“ Unternehmen setzt. ETFs sind ideal für Einsteiger, die eine breite Basis suchen.

was ist der unterschied zwischen nachhaltig und ethisch investieren?

Ethisch investieren ist oft enger gefasst und basiert auf moralischen oder religiösen Grundsätzen, die meistens sehr strikte Ausschlusslisten haben (z.B. keine Waffen, keine Alkoholkonzerne). Nachhaltiges Investieren (ESG) ist breiter und betrachtet zusätzlich die langfristige Zukunftsfähigkeit und das Management eines Unternehmens bezüglich Umwelt und Soziales.

muss ich für nachhaltigkeit immer mehr bezahlen?

Nicht unbedingt. Während einige spezialisierte, aktiv gemanagte themenfonds höhere Gebühren haben können, sind viele gängige nachhaltige ETFs preislich sehr wettbewerbsfähig geworden. Die höheren Gebühren bei aktiven Fonds sollen oft die tiefgehende Analyse der ESG-Faktoren bezahlen. Vergleiche immer die Kosten des Fonds mit der gebotenen Leistung und Transparenz.

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