Nachhaltiger investmentfond

Timo van Loon

Nachhaltiger investmentfond

Lesezeit 6 Minuten

Du sitzt vielleicht gerade am Küchentisch, trinkst deinen Kaffee und denkst darüber nach: Wie kann ich mein Geld sinnvoll anlegen? Du hast bestimmt schon gehört, dass nachhaltige Investments wichtig sind. Aber was genau steckt hinter einem nachhaltigen investmentfond? Ist das nur ein kurzlebiger Trend, oder wirklich eine solide Basis für deine finanzielle Zukunft? Ich verstehe deine Gedanken. Es fühlt sich oft kompliziert an, wenn es um Börse und Geld geht, besonders wenn noch ein ethisches Gewissen hinzukommt. Mach dir keine Sorgen. Wir gehen das Schritt für Schritt durch, ganz ohne kompliziertes Fachchinesisch. Am Ende verstehst du, wie diese Fonds funktionieren und ob sie zu dir passen.

Was bedeutet nachhaltigkeit bei fonds eigentlich genau?

Wenn wir über einen nachhaltigen Investmentfonds sprechen, reden wir nicht einfach nur darüber, dass die Firma, in die investiert wird, nett zu ihren Mitarbeitern ist. Das ist vielschichtiger. Die Grundidee ist, dass dein investiertes Geld Unternehmen fördert, die ökologisch, sozial und unternehmensethisch Verantwortung übernehmen. Man nennt das oft auch ESG-Kriterien: Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung).

Stell dir vor, du kaufst eine Aktie. Normalerweise interessiert dich vielleicht nur, wie viel Gewinn die Firma macht. Beim nachhaltigen Fonds schauen die Fondsmanager zusätzlich genau hin, wie diese Gewinne erzielt werden. Geht die Firma verantwortungsvoll mit Wasserressourcen um? Zahlt sie faire Löhne? Ist der Vorstand transparent in seinen Entscheidungen?

Die drei säulen des nachhaltigen investierens (esg)

Diese drei Bereiche helfen dir, die Tiefe eines nachhaltigen Ansatzes zu verstehen. Sie sind der Maßstab, an dem Fondsmanager die Unternehmen messen:

  • Environmental (Umwelt): Hier geht es um den Fußabdruck der Firma. Reduziert das Unternehmen CO2-Emissionen? Nutzt es erneuerbare Energien? Wie geht es mit Abfall und Umweltverschmutzung um? Wenn du zum Beispiel einen Fonds suchst, der aktiv den Klimawandel bekämpft, schaust du hier genau hin.
  • Social (Soziales): Dieser Punkt beleuchtet den Umgang mit Menschen. Das umfasst faire Arbeitsbedingungen, Gesundheitsschutz, Vielfalt im Unternehmen und die Achtung der Menschenrechte in der gesamten Lieferkette. Gerade bei internationalen Lieferketten ist das ein wichtiger Punkt, den du mit deinem Geld beeinflussen kannst.
  • Governance (Unternehmensführung): Das klingt vielleicht trocken, ist aber essenziell. Es geht um faire Bezahlung der Manager, Transparenz bei Entscheidungen und wie Aktionäre mitentscheiden dürfen. Eine gute Führung verhindert Skandale und sorgt für Stabilität.

Typische ausschlusskriterien: was ein nachhaltiger fonds meidet

Ein häufiger Irrtum ist, dass nachhaltige Fonds einfach nur alles Mögliche kaufen, was „grün“ klingt. Oftmals definieren sie sich sehr klar darüber, was sie nicht kaufen wollen. Wenn du dich fragst, wie man sicherstellt, dass dein Geld keine umweltschädlichen Industrien unterstützt, sind die Ausschlusskriterien der Schlüssel. Jeder Fonds hat da seine eigene Definition, aber einige Dinge sind sehr verbreitet.

Negative screening – der schnelle ausschluss

Das nennt man auch „Ausschlussverfahren“. Das ist oft der erste Schritt, um einen Fonds als ethisch oder nachhaltig einzustufen. Hierbei werden ganze Branchen oder Geschäftsfelder kategorisch ausgeschlossen. Denk daran, wenn du bewusst keine Unternehmen unterstützen willst, die in bestimmten Bereichen tätig sind.

  • Waffen und Rüstung: Viele ethische Fonds schließen Hersteller von konventionellen Waffen oder gar Atomwaffen aus.
  • Tabak und Alkohol: Unternehmen, die stark vom Verkauf dieser Produkte abhängig sind, fallen oft durchs Raster.
  • Fossile Brennstoffe: Das ist ein großes Thema. Fonds schließen oft Kohlefirmen oder solche aus, die einen Großteil ihres Umsatzes mit Öl und Gas machen.
  • Glücksspiel: Reine Glücksspielanbieter sind häufig ebenfalls ausgeschlossen.

Wenn du zum Beispiel einen nachhaltigen aktienfonds für den klimaschutz suchst, achte darauf, wie streng diese Ausschlusskriterien angewendet werden. Manchmal sind es nur Hersteller von thermischer Kohle, manchmal ganze Energiekonzerne.

Positive selektion: wie fonds wirklich nachhaltige firmen finden

Ausschließen ist eine Sache. Aber wie findet der Fondsmanager nun die „guten“ Unternehmen? Hier kommt die positive Selektion ins Spiel. Es reicht nicht, nur schlecht zu sein, man muss auch wirklich gut sein.

VIDEO: Nachhaltige ETFs: Das sollten Anleger ber Greenwashing in der Geldanlage wissen | manager magazin

Best-in-class-ansatz

Dieser Ansatz ist sehr pragmatisch. Der Fondsmanager schaut sich alle Unternehmen einer Branche an – zum Beispiel alle Automobilhersteller. Dann wählt er diejenigen aus, die innerhalb dieser Branche die besten ESG-Werte vorweisen können. Das bedeutet: Er investiert vielleicht in einen großen Autohersteller, aber nur in denjenigen, der im Vergleich zur Konkurrenz die geringsten Emissionen verursacht oder am meisten in Elektromobilität investiert. Du investierst also nicht zwingend nur in kleine Öko-Startups, sondern in etablierte Firmen, die den Wandel aktiv vorantreiben.

Impact Investing – wenn du die welt verändern willst

Wenn dein Ziel ist, eine messbare, positive Veränderung zu bewirken, dann schaust du vielleicht eher nach Fonds, die dem impact investing nahestehen. Hierbei geht es darum, gezielt in Projekte oder Unternehmen zu investieren, deren Hauptzweck es ist, einen positiven sozialen oder ökologischen Wandel zu schaffen. Das kann die Finanzierung von bezahlbarem Wohnraum sein oder der Bau von Solarparks in Entwicklungsländern. Hier ist die Messbarkeit der Wirkung oft wichtiger als die reine Rendite, obwohl beides idealerweise Hand in Hand geht.

Deine praktischen schritte: so findest du den richtigen nachhaltigen investmentfonds

Du hast dich entschieden, dass dein Geld mehr bewirken soll. Prima! Jetzt beginnt die Recherche. Sei dabei nicht zu ungeduldig. Es gibt viele Angebote, und du musst denjenigen finden, der zu deinen Werten und deinem Risikoprofil passt. Gerade bei den Themen nachhaltige fondsrendite und risiko musst du genau hinschauen.

Nützliche Websites

Unverzichtbare Lesestücke zu Nachhaltiger investmentfond findest du hier.

Schritt 1: deine eigene nachhaltigkeitsdefinition klären

Bevor du dir Prospekte ansiehst, frage dich ehrlich: Was ist mir am wichtigsten? Sind es die CO2-Ziele? Oder die Arbeitsbedingungen? Oder ist es dir egal, was die Firmen machen, solange sie keine Waffen herstellen? Deine Prioritäten bestimmen, welche Art von Fonds zu dir passt.

  1. Priorisiere deine ESG-Themen (z.B. Klima > Soziales).
  2. Lege fest, welche Branchen du absolut ausschließen willst (z.B. jegliche Beteiligung an Kohle).
  3. Bestimme deine Zeitspanne und Risikobereitschaft (Genau wie bei jedem anderen Fonds).

Schritt 2: die kennzeichnungen und siegel verstehen

Du siehst überall Labels. Das kann verwirrend sein. Leider gibt es nicht das eine staatliche Siegel für deutsche nachhaltige Investmentfonds. Aber es gibt einige Orientierungshilfen, die dir helfen, die Qualität einzuschätzen:

  • Faire Finanz-Siegel: Verschiedene unabhängige Organisationen vergeben Siegel, die bestimmte Mindeststandards für Transparenz und Nachhaltigkeit prüfen. Schau dir an, welche Kriterien diese Siegel anlegen.
  • Transparenzberichte des Fonds: Jeder seriöse nachhaltige Fonds muss offenlegen, in welche Unternehmen er investiert und warum. Lies dir diese Berichte an. Wenn ein Fonds nur sagt „Wir sind nachhaltig“, aber nicht zeigen kann, wo das Geld steckt, sei skeptisch.

Schritt 3: rendite und kosten im blick behalten

Ein häufiges Vorurteil besagt, dass man mit nachhaltigen Fonds immer geringere Gewinne erzielt oder höhere Kosten zahlt. Das stimmt heute so pauschal nicht mehr. Viele Studien zeigen, dass gut gemanagte nachhaltige Fonds auf lange Sicht ähnlich gut oder sogar besser abschneiden können, weil sie zukunftssichere Unternehmen bevorzugen.

Achte trotzdem auf die Kosten (die sogenannte Gesamtkostenquote, TER). Diese Kosten sind wichtig für deine Rendite. Vergleiche die Kosten von zwei thematisch ähnlichen Fonds. Hohe Kosten fressen deine potenziellen Gewinne auf, egal wie nachhaltig die Unternehmen sind.

Deine sorge: ist das nur grünwaschen (greenwashing)?

Diese Sorge ist absolut berechtigt. Greenwashing beschreibt den Versuch von Firmen oder Fondsmanagern, sich grüner darzustellen, als sie tatsächlich sind. Du fragst dich: Kann ich den Versprechen wirklich vertrauen, wenn es um nachhaltige anlagestrategien geht?

Ja, das kannst du, wenn du aktiv nachfragst und prüfst. Greenwashing passiert oft, wenn die ESG-Kriterien nur oberflächlich angewendet werden oder wenn die Berichterstattung zu vage ist. Wenn ein Fonds zum Beispiel sagt, er fördert „Nachhaltigkeit“, aber die Top-10-Beteiligungen sind größtenteils Firmen, die zwar geringe Emissionen haben, aber gleichzeitig massiv in Lobbyarbeit gegen Klimaschutz investieren, dann ist das fragwürdig.

Dein bester Schutz ist die Due Diligence. Schau nicht nur auf den Namen des Fonds, sondern auf das Kleingedruckte. Welche spezifischen Ausschlusskriterien gelten? Wie wird die Einhaltung der Kriterien überprüft? Seriöse Anbieter nutzen oft externe Prüfer oder stellen detaillierte Emissionsberichte zur Verfügung, die zeigen, wie sich die CO2-Intensität des Portfolios im Vergleich zu einem Standardindex entwickelt.

Der lange atem zählt

Wenn du in einen nachhaltigen Investmentfonds investierst, nutzt du die Macht des Zinseszinseffekts über Jahre oder Jahrzehnte. Deine Entscheidung heute beeinflusst, wie Unternehmen morgen handeln. Es geht nicht darum, von heute auf morgen die Welt zu retten, sondern darum, durch kontinuierliche Investitionen einen positiven Wandel zu unterstützen und gleichzeitig dein eigenes Vermögen aufzubauen. Bleib neugierig, informiere dich regelmäßig über die Berichte deiner Fonds und hab Vertrauen in deine Entscheidung, mit deinem Geld eine positive Kraft sein zu wollen.

häufig gestellte fragen

lohnt sich ein nachhaltiger fonds auch ohne hohes startkapital?

Absolut. Genau wie normale Fonds kannst du auch nachhaltige Investmentfonds oft schon mit kleinen monatlichen Sparplänen besparen. Die Kostenstruktur ist oft ähnlich. Wichtig ist, dass du lange dabei bleibst, damit die Wirkung deiner Investition und der Zinseszins gut wirken können. Dein kleiner Beitrag zählt langfristig.

sind die renditen bei nachhaltigen fonds immer schlechter?

Das ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält. Viele Studien zeigen, dass die Renditen von gut gemanagten nachhaltigen Fonds oft mit konventionellen Fonds vergleichbar sind oder diese sogar übertreffen. Unternehmen, die Umwelt- und Sozialrisiken managen, sind oft stabiler und zukunftssicher aufgestellt.

was mache ich, wenn sich meine meinung zu nachhaltigkeit ändert?

Du kannst deinen Investmentfonds jederzeit verkaufen und das Geld in einen anderen Fonds umschichten, der besser zu deinen aktuellen Überzeugungen passt. Das ist der Vorteil flexibler Anlageformen wie Fonds. Beachte dabei nur die möglichen Steuern und Gebühren beim Verkauf, falls du sehr kurzfristig handelst.

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