Du stehst im Supermarkt vor dem Fischregal. Der Lachs glänzt, die Dorschfilets sehen appetitlich aus. Doch dann kommt dieser Gedanke: Ist dieser Fisch nachhaltig gefangen? Oder schade ich mit meinem Einkauf unwissentlich den Meeren und den Fischbeständen? Diese Unsicherheit kennen viele von uns. Es ist nicht leicht, in der Flut von Siegeln, Informationen und Meinungen den Überblick zu behalten, wenn du wirklich umweltbewusst einkaufen möchtest. Lass uns heute gemeinsam Licht in diesen Dschungel bringen und schauen, wie du ganz praktisch zu einer nachhaltigen Fischerei beitragen kannst.
was bedeutet nachhaltig fischerei eigentlich?
Ehrlich gesagt, der Begriff „nachhaltig“ klingt oft wie ein Werbeslogan. Aber im Kern geht es um etwas ganz Einfaches: Wir wollen heute Fisch essen, ohne morgen keine Fische mehr zu haben. Nachhaltige Fischerei bedeutet, die Meere so zu bewirtschaften, dass die Fischpopulationen gesund bleiben und das gesamte Ökosystem – also alles, was im Meer lebt und wächst – nicht zerstört wird.
Wenn du denkst, das ist alles kompliziert, dann atme einmal tief durch. Wir schauen uns das Schritt für Schritt an. Es geht darum, wie gefangen wird und wie viel gefangen wird.
der fischfang: jäger oder sammler?
Stell dir vor, du sammelst Beeren im Wald. Nachhaltig wäre, nur so viele zu nehmen, wie nachwachsen können. Beim Fischfang gibt es Methoden, die eher jägerisch sind und alles mitnehmen, und Methoden, die viel gezielter arbeiten. Das ist oft der größte Unterschied, den du als Verbraucher erkennen kannst.
Ein Problem ist zum Beispiel der Beifang. Das ist der Fisch, den du eigentlich nicht wolltest, der aber trotzdem im Netz landet und oft tot oder stark verletzt wieder ins Meer zurückgeworfen wird. Wenn du Fisch kaufst, achtest du darauf, welche Fangmethoden angewendet wurden, hilfst du direkt, diese unnötige Verschwendung zu vermeiden. Achtest du auf nachhaltigen kabeljau, achtest du oft auch auf geringen beifang.
VIDEO: Fische – Die globalisierte Fischerei | Mit offenen Karten Reupload | ARTE
bestandsgröße und ökosystem
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Fischbestand selbst. Ist der Bestand überfischt, also sind viel weniger Fische da als natürlich möglich wären, dann ist jeder Fang nicht nachhaltig. Selbst die beste Fangmethode schadet dann, weil der Bestand keine Chance hat, sich zu erholen. Es geht nicht nur um die eine Fischart, die du kaufst, sondern auch um das Leben im Meer drumherum. Fischen mit Grundschleppnetzen zum Beispiel zerstört den Meeresboden, ähnlich wie ein Bulldozer durch einen Wald fährt. Das ist nicht nachhaltig, weil das Zuhause der Fische zerstört wird.
wie erkenne ich nachhaltigen fisch im laden?
Das ist die zentrale Frage, die dir im Kopf herumschwirrt, wenn du vor der Theke stehst. Hier kommen die Siegel ins Spiel. Sie sind Hilfsmittel, aber du musst wissen, welche du ernst nehmen kannst.
die bekanntesten siegel im überblick
In Deutschland begegnen dir vor allem zwei große Zertifizierungen. Diese Siegel haben strenge Kriterien, um die nachhaltigkeit der fischerei zu prüfen. Sie schauen sich an, wie viel Fisch gefangen wird, ob der Lebensraum geschützt ist und wie die Fischerei gemanagt wird.
- das MSC-siegel (marine stewardship council): dieses blaue, runde Logo ist sehr verbreitet. es kennzeichnet Fisch aus wildfangbeständen, die als gesund gelten und deren Fangmethode das ökosystem schont. wenn du auf das blaue segel achtest, machst du meistens einen guten schritt in richtung nachhaltiger einkauf.
- das ASC-siegel (aquaculture stewardship council): dieses siegel ist für zuchtfisch gedacht. es garantiert, dass die fische unter bestimmten sozialen und ökologischen standards gehalten wurden. hier ist es wichtig zu wissen, dass zucht nicht immer gleich zucht ist – das siegel hilft bei der orientierung für nachhaltige lachszucht zum beispiel.
Sei vorsichtig bei nicht-international anerkannten oder sehr generischen „bio“-siegeln für Meeresfisch. Die Kriterien sind da oft weniger streng.
alternativen jenseits der siegel
Was machst du, wenn der Fisch, den du am liebsten magst, kein Siegel trägt? Hier hilft dir das Wissen, woher der Fisch kommt und wie er gefangen wurde. Frage gezielt nach! Das ist dein stärkstes Werkzeug.
- frage nach der fangmethode: frage den verkäufer: „wie wurde dieser dorsch gefangen?“ wenn du hörst „tang“, „leine“ oder „angel“, ist das meistens eine gute Nachricht. das sind selektive methoden mit wenig beifang.
- frage nach der herkunft: wo genau wurde der fisch gefangen? nordsee? mittelmeer? lerne, welche regionen gerade überfischt sind. zum beispiel sind viele bestände im mittelmeer stärker belastet als einige bestände in der nordost-atlantikregion.
Dein direktes Nachfragen signalisiert dem Handel, dass dir diese Informationen wichtig sind. Das beeinflusst das Sortiment positiv.
konkrete tipps für deinen nachhaltigen einkauf
Es ist leicht, sich überwältigt zu fühlen. Deshalb hier ein paar konkrete, sofort umsetzbare Schritte, die dir helfen, beim nächsten Einkauf bewusster zu entscheiden. Denk daran: Es geht nicht um Perfektion, sondern um Verbesserung.
Hervorgehobene Quellen
Vervollständige deine Reise durch das Thema Nachhaltig fischerei mit diesen Links.
tipp 1: nutze empfehlungslisten
Es gibt Organisationen, die regelmäßig aktualisierte Einkaufsratgeber herausgeben. Diese Listen basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Bestandsentwicklung. Du suchst nach „fischratgeber deutschland“. Diese Ratgeber sortieren die Fischarten klar in „gut wählen“, „selektiv wählen“ und „meiden“ ein. So kannst du schnell prüfen, ob dein aktueller Favorit auf der grünen Liste steht. Das ist oft einfacher, als jedes Siegel zu studieren.
tipp 2: iss weniger, aber besseren fisch
Du musst nicht jeden Tag Fisch essen, um gesund zu sein. Wenn du deinen Fischkonsum reduzierst, kannst du dir leisten, für die Portionen, die du kaufst, einen höheren Preis für nachweislich nachhaltig gefangenen Fisch zu zahlen. Probiere zum Beispiel, nur einmal die Woche bewusst Fisch zu kaufen und ihn dann als etwas Besonderes zu genießen.
tipp 3: regionalkonsum bei zuchtfisch
Bei Zuchtfisch, also Aquakultur, achte auf die Herkunft. Ein Forellenhof in deiner Nähe, der seine Fische mit sauberem Wasser versorgt und wenig Futter verwendet, ist oft eine bessere Wahl als ein weit gereister Import. Wenn du regionalen zuchtfisch kaufst, unterstützt du lokale Betriebe, die oft transparenter sind als große internationale Konzerne.
tipp 4: lerne die „grünen“ fische
Einige Fische sind von Natur aus widerstandsfähiger und weniger überfischt. Wenn du lernst, diese als Ersatz zu nutzen, machst du einen großen Unterschied. Statt Thunfisch, der oft problematisch ist, probiere mal Makrele oder Hering. Diese Fische vermehren sich schnell und stehen oft weiter unten in der Nahrungskette, weshalb sie ökologisch unbedenklicher sind. Das ist eine einfache Umstellung für gesunde fischgerichte.
der umgang mit zweifeln und missverständnissen
Du wirst immer wieder auf Informationen stoßen, die sich widersprechen. Gestern lasest du, dass der Lachs aus Norwegen top ist, heute liest du, dass die Zucht dort umweltschädlich ist. Das ist normal.
Zweifel sind gesund. Sie zeigen, dass du dir Gedanken machst. Lass dich davon nicht lähmen, sondern nutze sie als Anlass, genauer nachzufragen. Wenn du dir unsicher bist, wähle die sicherste Option: Greife zu einem Fisch mit einem anerkannten Siegel (MSC oder ASC) oder wähle eine Fischart, die auf den empfohlenen Listen ganz oben steht. Das ist immer besser, als aus Bequemlichkeit etwas zu kaufen, bei dem du gar nichts weißt.
Denke daran: Es gibt selten nur eine richtige Lösung beim Thema nachhaltig fischerei. Jede bewusste Entscheidung, die du triffst, hilft den Meeren ein kleines bisschen mehr. Du kontrollierst mit deinem Geld, was auf den Markt kommt.
häufig gestellte fragen
wie erkenne ich überfischung einfach?
Überfischung bedeutet, dass zu viele Fische einer Art gefangen werden, als nachwachsen können. Du erkennst dies am besten durch die offiziellen Fischratgeber. Diese listen die Bestände nach ihrem Gesundheitszustand auf. Wenn eine Art auf „rot“ steht, ist der Bestand kritisch und du solltest diese Art meiden.
sind alle siegel gleich gut und vertrauenswürdig?
Nein, nicht alle Siegel sind gleich streng. Die großen internationalen Siegel wie MSC und ASC haben etablierte, wissenschaftsbasierte Standards. Sei vorsichtig bei sehr kleinen, lokalen Siegeln, deren Kriterien du nicht leicht überprüfen kannst. Für den schnellen Einkauf sind MSC und ASC die sichersten Anhaltspunkte.
ist zuchtfisch immer besser als wildfang?
Nein, das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Zuchtfisch kann besser oder schlechter sein, je nach Haltung. Lachs aus geschlossenen Kreisläufen ist oft ökologisch besser als Lachs aus offenen Netzen, die Parasiten in die Umwelt abgeben können. Prüfe immer das ASC-Siegel oder frage gezielt nach den Fütterungs- und Haltungsbedingungen beim Händler.









