Nachhaltig investieren schweiz

Timo van Loon

Nachhaltig investieren schweiz

Lesezeit 5 Minuten

Du sitzt vielleicht gerade in deinem Zuhause in der Schweiz, schaust auf deine Sparanlagen oder überlegst, wie du dein Geld sinnvoll einsetzen kannst. Die Welt verändert sich, und immer mehr Menschen fragen sich: Wie kann ich sicherstellen, dass mein Vermögen nicht nur wächst, sondern auch einen positiven Einfluss hat? Du möchtest vielleicht nicht mehr in Firmen investieren, die Umwelt oder Menschen schaden. Genau darum geht es beim nachhaltigen Investieren in der Schweiz. Es ist ein spannendes Feld, das viele Fragen aufwirft. Lass uns das ganz in Ruhe besprechen, Schritt für Schritt.

Was bedeutet nachhaltig investieren überhaupt für dich?

Oft klingt der Begriff „nachhaltig investieren“ erst einmal kompliziert oder nach etwas für sehr reiche Leute. Das stimmt nicht. Im Kern geht es darum, bei jeder Anlageentscheidung drei Dinge zu beachten: Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). Man nennt das kurz ESG. Wenn du beispielsweise Aktien kaufst, schaust du nicht nur, wie viel Gewinn die Firma macht, sondern auch, wie sie mit Müll umgeht, wie fair sie ihre Mitarbeiter behandelt und wie transparent der Vorstand arbeitet. Du suchst also nach Unternehmen, die langfristig erfolgreich sind, weil sie verantwortungsvoll handeln.

Viele Menschen in der Schweiz suchen nach Wegen, ethisch korrekt zu handeln, ohne auf Rendite verzichten zu müssen. Das ist ein häufiger Gedanke. Die gute Nachricht: Studien zeigen immer öfter, dass Unternehmen mit guter ESG-Performance langfristig stabiler sind. Dein Ziel beim nachhaltigen Investieren in der Schweiz ist es, dein Geld so einzusetzen, dass es deinen Werten entspricht, aber trotzdem für dich arbeitet.

Nachhaltig investieren schweizDie drei Säulen der Nachhaltigkeit verstehen (ESG)

Um beim nachhaltigen Investieren in der Schweiz den Überblick zu behalten, helfen dir die ESG-Kriterien. Stell dir das wie eine Checkliste für jedes Unternehmen vor, in das du investieren möchtest:

  • Umwelt (E): Wie geht das Unternehmen mit Klimawandel, Wasserverbrauch, Energieeffizienz und Abfall um? Ein Stromanbieter, der stark auf erneuerbare Energien setzt, schneidet hier besser ab als jemand, der Kohlekraftwerke betreibt.
  • Soziales (S): Hier geht es um die Menschen. Sind die Arbeitsbedingungen sicher? Gibt es faire Löhne? Engagiert sich die Firma in der Gemeinschaft? Gerade bei internationalen Lieferketten ist dieser Punkt wichtig.
  • Unternehmensführung (G): Wie ehrlich und transparent ist die Führung? Gibt es unabhängige Kontrolle? Werden die Aktionäre fair behandelt? Schlechte Governance führt oft zu Skandalen, die dein Geld vernichten können.

Deine erste Schritte: Wo fängst du an, nachhaltig zu investieren in der Schweiz?

Du hast dich entschieden, den Weg des nachhaltigen Investierens zu gehen. Super! Der nächste Schritt ist, herauszufinden, welche Produkte überhaupt für dich infrage kommen. Oftmals ist der Einstieg einfacher, als du denkst. Du musst nicht sofort dein ganzes Portfolio umkrempeln.

Ausschlussverfahren versus Best-in-Class

Es gibt verschiedene Strategien, wie nachhaltige Fondsmanager vorgehen. Es ist hilfreich, diese zu kennen, wenn du dir zum Beispiel nachhaltige ETFs oder Fonds anschaust:

  1. Negatives Screening (Ausschluss): Das ist oft der bekannteste Ansatz. Hier schließt du bestimmte Branchen komplett aus. Das können Waffen, Tabak, fossile Brennstoffe oder Glücksspiel sein. Du sagst: „In diese Bereiche investiere ich definitiv nicht.“
  2. Positives Screening (Best-in-Class): Hier suchst du aktiv nach den besten Unternehmen innerhalb einer Branche nach ESG-Kriterien. Zum Beispiel wählst du die Bank, die in der Finanzbranche am nachhaltigsten arbeitet, anstatt alle Banken auszuschließen.
  3. Impact Investing: Das ist die direkteste Form. Hier suchst du gezielt nach Investitionen, die messbar soziale oder ökologische Probleme lösen, wie zum Beispiel in grüne Infrastrukturprojekte in der Schweiz oder Entwicklungsländer.

Welche Strategie für dich passt, hängt von deinen persönlichen Prioritäten ab. Willst du primär Risiken vermeiden, die durch schlechte Umweltpraktiken entstehen? Dann ist Ausschluss oft gut. Möchtest du aktiv die besten Unternehmen fördern? Dann schau dir eher „Best-in-Class“-Fonds an.

VIDEO: Nachhaltige ETF finden: So geht's! Ethische Geldanlage mit nachhaltigen ETFs

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Die Rolle der Bank oder des Brokers

Du fragst dich sicher, wo du diese Produkte findest. Viele traditionelle Schweizer Banken bieten mittlerweile spezielle nachhaltige Anlageberatungen oder Fonds an. Wenn du mit deinem Berater sprichst, sei ruhig direkt. Du kannst fragen: „Ich möchte mein Portfolio nachhaltig gestalten. Welche Fonds nutzen ESG-Kriterien oder verfolgen einen Ausschluss bestimmter Industrien?“

Für den eigenständigen Anleger gibt es auch Robo-Advisor, die oft einfache Optionen für nachhaltiges Investieren anbieten. Achte hier darauf, welche konkreten Nachhaltigkeitskriterien der Robo-Advisor anwendet, denn nicht jeder „grüne“ Name bedeutet automatisch eine strenge Einhaltung deiner Werte.

Typische Zweifel beim nachhaltigen Investieren in der Schweiz

Es ist ganz normal, dass Unsicherheiten auftauchen. Das gehört dazu, wenn man neue Wege geht. Lass uns einige typische Sorgen ansprechen, die viele Anleger haben, wenn sie über nachhaltig investieren schweiz nachdenken.

Zweifel 1: Verliere ich Rendite?

Das ist die wohl häufigste Frage. Früher dachte man, ethisch richtig zu handeln kostet Geld. Heute sehen wir das differenzierter. Wenn du Unternehmen ausschließt, die hohe Risiken bergen (wie zum Beispiel Firmen mit schlechter Arbeitspraxis, die bald hohe Strafen zahlen müssen), reduzierst du tatsächlich Risiken. Viele Studien zeigen, dass nachhaltige Portfolios über lange Zeiträume vergleichbare oder sogar bessere Renditen erzielen als konventionelle. Dein Fokus liegt nicht mehr auf kurzfristigen Hypes, sondern auf zukunftssicheren Geschäftsmodellen.

Zweifel 2: Was ist mit Greenwashing?

Greenwashing bedeutet, dass sich eine Firma viel grüner darstellt, als sie tatsächlich ist. Das ist ein echtes Problem. Deshalb ist es wichtig, nicht nur auf das Etikett „Nachhaltig“ zu schauen. Du musst tiefer graben. Schau dir die Kennzahlen an, die der Fonds bereitstellt. Fragt nach der Methodik des Anbieters. Ein seriöser Anbieter legt offen, welche Standards er anlegt und welche Unternehmen er deshalb ausschließt. Vertrauenswürdige Schweizer Finanzinstitute müssen hier immer transparenter werden.

Zweifel 3: Ist das alles zu kompliziert und teuer?

Einstiegsprodukte wie nachhaltige ETFs (Exchange Traded Funds) sind oft sehr kostengünstig und einfach zu handeln, ähnlich wie normale ETFs. Du brauchst kein Diplom in Umweltwissenschaften, um anzufangen. Wichtig ist, dass du beginnst und dich nicht von der Komplexität abschrecken lässt. Starte klein, lerne die Begriffe und schau, wie sich deine Anlagen entwickeln.

Praktische Tipps für deinen Start heute

Du möchtest jetzt sofort etwas tun? Hier sind ein paar konkrete, umsetzbare Schritte, die dir helfen, dein Geld nachhaltiger anzulegen, auch wenn du nur ein kleines Vermögen verwaltest:

  • Analysiere dein Heute: Schau dir einmal deine aktuellen Fonds oder Aktien an. Was davon ist dir ein Dorn im Auge? Wo siehst du die größten Probleme? Das gibt dir eine Richtung für deinen Ausschlusskatalog.
  • Sprich mit deiner Bank über grüne Konten: Manchmal bieten Banken Girokonten oder Sparkonten an, die nachweislich in nachhaltige Projekte in der Schweiz oder Europa fließen. Das ist ein einfacher, risikoarmer erster Schritt.
  • Nutze unabhängige Ratings: Es gibt unabhängige Organisationen, die Unternehmen nach ESG bewerten. Wenn du eine Aktie oder einen Fonds recherchierst, schau nach, wie diese extern bewertet wird. Das hilft, Greenwashing zu erkennen.
  • Investiere in grüne Anleihen (Green Bonds): Wenn dir Aktien zu volatil sind, schau dir Anleihen an, die explizit für Umweltprojekte wie den Bau von Solarparks oder Zugnetzen ausgegeben werden. Das ist oft eine stabile Beimischung für dein Portfolio.

Nachhaltiges Investieren ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Es geht darum, bewusste Entscheidungen zu treffen, die langfristig Sinn ergeben. Wenn du beginnst, deine eigenen Werte mit deinem Portemonnaie abzugleichen, wirst du schnell merken, wie viel Sinn das macht.

häufig gestellte fragen

wie finde ich heraus, ob mein aktueller fonds nachhaltig ist?

Frage bei deiner Bank oder deinem Vermögensverwalter konkret nach dem ESG-Rating oder der angewandten Methodik des Fonds. Seriöse Anbieter liefern dazu detaillierte Informationen in den Fondsdokumenten. Du kannst auch externe Datenbanken nutzen, die Fonds nach Nachhaltigkeitskriterien sortieren.

muss ich mehr gebühren bezahlen, wenn ich nachhaltig investiere?

Nicht unbedingt. Nachhaltige ETFs sind oft genauso günstig wie konventionelle, da sie passiv einen Index abbilden. Bei aktiv gemanagten nachhaltigen Fonds können die Gebühren minimal höher sein, weil die Fondsmanager mehr Recherchearbeit betreiben müssen, um die ESG-Kriterien zu prüfen.

kann ich auch nur in die schweiz investieren?

Ja, das ist absolut möglich und für viele Anleger attraktiv, da die Schweiz ein stabiles Umfeld bietet. Es gibt spezielle Schweizer Aktienfonds oder Anleihenfonds, die sich nur auf Unternehmen mit Sitz in der Schweiz konzentrieren und dabei strenge Nachhaltigkeitskriterien anwenden. Achte auf Fonds mit dem Fokus auf „Swiss Sustainable Equities“.

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