Druckerei nachhaltig

Timo van Loon

Druckerei nachhaltig

Lesezeit 5 Minuten

Du stehst vor der Aufgabe, deine nächsten Flyer, Broschüren oder vielleicht sogar dein neues Buch drucken zu lassen. Gleichzeitig nagt der Gedanke an die Umwelt an dir. Die traditionelle Druckbranche hat ja nicht immer den besten Ruf, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Du fragst dich: Wie finde ich eine Druckerei, die meine Werte teilt und trotzdem qualitativ hochwertige Arbeit liefert? Ist das überhaupt möglich, oder muss ich große Kompromisse eingehen? Das verstehe ich gut. Heute nehmen wir das Thema „Druckerei nachhaltig“ gemeinsam unter die Lupe. Wir schauen, worauf du achten musst, was wirklich zählt und wie du den Dschungel der grünen Versprechen entwirren kannst.

Warum Nachhaltigkeit beim Drucken wichtig ist

Wenn du viel druckst, summieren sich die Auswirkungen. Es geht nicht nur um das Papier selbst. Denke an die Chemikalien in den Farben, den Energieverbrauch der Maschinen und den Transportweg. Du möchtest doch, dass dein fertiges Produkt ein gutes Gefühl hinterlässt, oder? Dein Kunde sieht das Material in der Hand und verbindet damit deine Marke. Wenn du auf eine umweltfreundliche Druckerei setzt, zeigst du Verantwortung – ganz ohne große Marketing-Aktionen.

Viele Unternehmen entdecken gerade jetzt, wie wichtig ihnen dieser Aspekt ist. Sie suchen nach Wegen, ihren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Dabei ist die Wahl des richtigen Partners entscheidend, wenn du wirklich Wert auf eine nachhaltige Druckerei legst. Es reicht nicht, wenn nur ein kleiner Teil des Prozesses „grün“ ist.

Die größten Stellschrauben im Druckprozess

Um zu verstehen, wo du ansetzen kannst, schauen wir uns die drei Hauptbereiche an, die eine Druckerei umweltfreundlich gestalten kann. Diese Punkte helfen dir, die richtigen Fragen zu stellen, wenn du Angebote vergleichst.

  • Papierwahl: Das ist oft der größte Posten. Welches Papier nutzt die Druckerei? Ist es Recyclingpapier? Stammt es aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft?
  • Druckfarben und Chemie: Herkömmliche Farben enthalten oft Lösungsmittel. Umweltfreundliche Alternativen sind mineralölfreie Farben oder solche auf Pflanzenbasis.
  • Energie und Maschinen: Moderne Druckmaschinen sparen viel Strom. Noch besser: Wenn die Druckerei Ökostrom nutzt oder Energie spart, ist das ein großer Pluspunkt für ökologisch drucken.

So erkennst du eine wirklich grüne Druckerei

Die Versuchung ist groß, einfach auf eine Webseite zu schauen, wo „grün“ groß geschrieben steht. Aber Vertrauen ist gut, Kontrolle durch Wissen ist besser. Du brauchst klare Beweise, um sicherzugehen, dass du eine umweltfreundliche Druckerei wählst und nicht nur auf Greenwashing hereinfällst. Greenwashing bedeutet, dass jemand behauptet, umweltfreundlich zu sein, es aber nicht wirklich ist.

Druckerei nachhaltigZertifikate als Kompass nutzen

Zertifikate sind hier deine besten Freunde. Sie bedeuten, dass Dritte die Prozesse geprüft haben. Achte auf diese Siegel, denn sie geben dir Sicherheit:

  • FSC (Forest Stewardship Council): Dieses Siegel garantiert, dass das Holz für das Papier aus Wäldern stammt, die gut bewirtschaftet werden. Das ist der Standard für verantwortungsvolle Papiernutzung.
  • PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification): Ähnlich wie FSC, aber ein anderes System, das ebenfalls nachhaltige Waldbewirtschaftung zertifiziert. Manchmal siehst du auch beide Siegel.
  • Blauer Engel: Dieser deutsche Umweltstandard ist sehr streng. Er bewertet nicht nur das Papier, sondern auch die Druckprozesse, die verwendeten Hilfsstoffe und die Schadstofffreiheit. Wenn eine Druckerei den Blauen Engel für ihre Produkte trägt, machst du alles richtig beim Thema umweltfreundlicher Druck.

Wenn du eine Druckerei ansprichst, frage direkt nach diesen Zertifikaten. Eine seriöse, nachhaltig arbeitende Firma zeigt diese stolz her.

VIDEO: In der Druckerei: nachhaltig und umweltbewusst der Druckprozess von GRANDIOS

Die Rolle der Druckfarbe

Du hast bestimmt schon von mineralölfreien Farben gehört. Was bedeutet das genau? Traditionelle Farben basieren oft auf Erdöl. Das ist weder nachhaltig noch ideal für die spätere Wiederverwertung des Papiers. Wenn du nach einer Möglichkeit suchst, deine Werbemittel klimaneutral zu produzieren, achte auf Farben auf Pflanzenölbasis, zum Beispiel auf Basis von Soja oder Leinöl. Diese sind biologisch abbaubar und reduzieren die Umweltbelastung deutlich. Das ist ein wichtiger Schritt für CO2-reduzierten Druck.

Papier ist nicht gleich Papier: Die Materialfrage

Du kannst die nachhaltigste Maschine der Welt haben – wenn du immer neues, unzertifiziertes Papier verwendest, ist der Effekt gering. Das Papier macht den größten Teil des ökologischen Fußabdrucks deiner Druckerzeugnisse aus. Hier sind deine Optionen:

  1. Recyclingpapier: Das ist oft die erste Wahl. Es spart Bäume und Wasser. Achte darauf, dass es einen hohen Anteil an Altpapier hat (z. B. 80 % oder 100 %). Modernes Recyclingpapier ist qualitativ kaum noch von Frischfaserpapier zu unterscheiden, besonders im Offsetdruck.
  2. Frischfaserpapier mit Siegel: Wenn du eine sehr helle, hochwertige Optik brauchst, wähle FSC- oder PEFC-zertifiziertes Papier. Das garantiert, dass der Baum nachhaltig nachgewachsen ist.
  3. Alternative Fasern: Manche Druckereien bieten bereits Papiere aus schnell nachwachsenden Rohstoffen wie Gras, Hanf oder Zuckerrohrfasern an. Das ist spannend und oft eine gute Ergänzung, wenn du etwas Besonderes suchst und nachhaltige Alternativen beim Papier prüfen möchtest.

Denk auch über die Grammatur nach. Brauchst du wirklich 350 g/m² Karton für deine Visitenkarte? Oft reichen 300 g/m² völlig aus und du sparst Material, was immer gut für die Umwelt ist.

Klimaneutral drucken: Mehr als nur Ökostrom

Der Begriff „klimaneutral drucken“ taucht überall auf. Was steckt dahinter, wenn du deine Broschüren klimaneutral drucken lassen willst? Zuerst sollte die Druckerei versuchen, so viel CO2 wie möglich einzusparen (Energieeffizienz, kurze Wege). Was sich nicht vermeiden lässt, wird oft kompensiert.

Die Kompensation bedeutet, dass in zertifizierte Klimaschutzprojekte investiert wird, um die ausgestoßene Menge an Kohlendioxid wieder auszugleichen. Das ist ein guter Weg, aber es sollte immer die zweite Stufe sein. Sprich die Druckerei darauf an: Welche Einsparungen haben sie intern schon erzielt, bevor sie kompensieren?

Du kannst das auch selbst beeinflussen. Wenn du zum Beispiel deine Druckaufträge bündelst und seltener kleine Mengen nachdrucken lässt, reduzierst du Transportwege und Produktionszyklen. Das ist ein direkter Beitrag zur Reduzierung der Emissionen deiner Bestellung.

Vertiefende Links

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Die Produktion optimieren: Weniger ist mehr

Eine der größten Herausforderungen ist die Einrichtung der Druckmaschine. Jedes Mal, wenn eine Maschine für einen neuen Auftrag umgerüstet wird, fallen Ausschuss und Farbe an. Das nennt man „Anfahren“. Du kannst helfen, diesen Prozess umweltfreundlicher zu gestalten:

  • Vermeide viele verschiedene Farben: Je mehr unterschiedliche Schmuckfarben (Sonderfarben) du verwendest, desto mehr Reinigungsmittel und Farbe fallen beim Wechsel an. Wenn möglich, bleib bei CMYK (Cyan, Magenta, Gelb, Schwarz).
  • Überprüfe deine Daten sorgfältig: Fehlerhafte Druckdaten führen oft zu Fehldrucken, die weggeworfen werden müssen. Überprüfe Beschnittränder und Auflösung doppelt.
  • Nutze Standardformate: Wenn du Papier passgenau nutzen kannst, vermeidest du Verschnittabfälle.

Wenn du eine Druckerei findest, die auf moderne Digitaldruckverfahren setzt, kann das bei kleineren Auflagen besser sein, weil die Rüstzeiten und der Papierverbrauch geringer sind als beim klassischen Offsetdruck.

Die Zusammenarbeit mit deiner nachhaltigen Druckerei

Sobald du eine potenzielle Druckerei identifiziert hast, die deinen Kriterien entspricht, beginnt die eigentliche Zusammenarbeit. Sei offen und ehrlich über deine Erwartungen. Du musst keine Kompromisse bei der Qualität machen, aber du solltest bereit sein, dich auf nachhaltigere Materialien einzulassen.

Frage nach, wie die Druckerei mit Abfall umgeht. Werden Reste sortiert und dem Recycling zugeführt? Wie sehen die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter aus? Auch faire Arbeitsbedingungen gehören zur umfassenden Nachhaltigkeit eines Unternehmens. Eine Druckerei, die sich um die Umwelt kümmert, kümmert sich meist auch um ihre Leute.

Denke daran: Deine Entscheidung für eine nachhaltige Druckerei ist eine Investition. Manchmal kostet das Material aus nachhaltiger Produktion ein paar Cent mehr pro Einheit. Aber diese Mehrkosten zahlst du nicht nur für das Produkt, sondern auch für ein gutes Gewissen und die Unterstützung einer Branche, die sich wandelt. Das ist es oft wert, wenn du langfristig denkst.

häufig gestellte fragen

ist nachhaltiger druck immer teurer?

Nicht unbedingt. Anfangsinvestitionen für hochwertige Recyclingpapiere oder Ökostrom können höhere Preise bedeuten. Oft gleichen sich die Kosten aber durch optimierte Prozesse, effiziente Maschinen und gebündelte Aufträge aus. Vergleiche die Angebote genau und achte auf versteckte Kosten.

was bedeutet „umweltfreundlich“ beim lackieren?

Beim Lackieren geht es darum, welche Art von Lack verwendet wird. Umweltfreundlich sind UV-Lacke, die ohne Lösungsmittel aushärten, oder wasserbasierte Lacke. Diese schonen die Luftqualität in der Druckerei und reduzieren Schadstoffemissionen im Vergleich zu herkömmlichen, lösungsmittelhaltigen Lacken.

kann ich meine alten drucksachen recyceln lassen?

Gute, nachhaltige Druckereien bieten oft an, den Verschnitt und nicht verkaufte Restbestände zurückzunehmen, um sie dem eigenen oder einem externen Recyclingkreislauf zuzuführen. Frage gezielt nach einer Rücknahmegarantie oder Kooperationen, wenn du große Mengen druckst.

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