Nachhaltige Funktionskleidung: Umweltfreundlich und

Timo van Loon

Nachhaltige Funktionskleidung: Umweltfreundlich und

Lesezeit 5 Minuten

Du stehst vor dem Kleiderschrank, die nächste Wanderung oder Fahrradtour steht an, und du greifst zur Funktionsjacke. Dein Bauchgefühl sagt dir: Das muss doch nachhaltiger gehen. Du weißt, dass Funktionskleidung extrem praktisch ist – atmungsaktiv, schnelltrocknend, wetterfest. Aber du fragst dich auch, welche Chemikalien da drinstecken und wie lange dieses Stück Stoff wirklich hält. Die Entscheidung für Funktionskleidung nachhaltig zu treffen, fühlt sich oft kompliziert an. Keine Sorge, das geht vielen so. Lass uns das gemeinsam Schritt für Schritt durchgehen, damit du dich bald wohler fühlst mit deinen Kaufentscheidungen.

Warum ist herkömmliche Funktionskleidung oft ein Umweltproblem?

Um zu verstehen, wie du besser einkaufst, schauen wir uns kurz an, wo die Probleme liegen. Die hochtechnischen Eigenschaften, die wir an unserer Outdoor-Kleidung so lieben, entstehen meist durch synthetische Fasern wie Polyester oder Polyamid. Diese basieren auf Erdöl. Das ist die erste Hürde. Hinzu kommt die Behandlung der Stoffe.

Kennst du das Gefühl, wenn deine Regenjacke nach einiger Zeit nicht mehr richtig wasserabweisend ist? Das liegt oft an der DWR-Ausrüstung (Durable Water Repellent). Traditionell nutzt man dafür perfluorierte und polyfluorierte Chemikalien, kurz PFCs. Diese Stoffe sind extrem langlebig – leider auch in der Umwelt. Sie reichern sich an und gelten als bedenklich. Wenn du also nach wirklich umweltfreundlicher Sportbekleidung suchst, ist das Vermeiden von PFCs ein wichtiger Punkt.

Mikroplastik: Der unsichtbare Begleiter

Ein weiterer Punkt, der dich beschäftigt, ist das Mikroplastik. Bei jeder Wäsche reiben die synthetischen Fasern aneinander und kleine Plastikpartikel lösen sich. Diese gelangen über das Abwasser in unsere Gewässer. Auch wenn du versuchst, langlebige Kleidung zu kaufen, bleibt das Thema Wäsche und Fasern bestehen. Deshalb schauen wir uns später an, was du direkt in deiner Waschroutine ändern kannst.

Der Weg zu umweltbewusster Funktionskleidung: Worauf du achten musst

Du möchtest Kleidung, die dich im Regen schützt, aber die Natur, in der du dich bewegst, nicht unnötig belastet. Das ist absolut machbar. Es geht darum, die richtigen Materialien und Siegel zu erkennen.

VIDEO: Nachhaltige Kleidung bringt das was? So viel muss Fair Fashion kosten I kochecker SWR

Nachhaltige Fasern: Alternativen zu reinem Polyester

Der Umstieg auf nachhaltige Materialien ist der größte Schritt. Es gibt mittlerweile tolle Entwicklungen, die die Performance bieten, die du gewohnt bist, aber einen geringeren ökologischen Fußabdruck haben.

Denk an recycelte Materialien. Recyceltes Polyester oder Polyamid (oft aus alten PET-Flaschen oder Fischernetzen) verbraucht weniger Energie und vermeidet Müll. Achte auf Bezeichnungen wie „recyceltes Nylon“ oder „rPET“. Das ist ein guter Anfang, um Funktionskleidung aus Recyclingmaterial zu finden. Diese Prinzipien lassen sich auch auf die nachhaltige Gestaltung von Berufskleidung übertragen.

Aber es gibt auch Naturfasern, die in die Hochleistungssparte vorgedrungen sind. Merinowolle ist hier ein Klassiker. Sie wärmt auch nass, riecht kaum und ist biologisch abbaubar. Wenn du eine Jacke oder ein Fleece suchst, das atmungsaktiv ist und dich warm hält, schau dir Merinowolle an. Wichtig ist hier nur: Achte darauf, dass die Wolle aus artgerechter Haltung stammt, um Probleme mit der Tierhaltung zu umgehen.

Tencel (Lyocell) ist eine weitere spannende Faser. Sie wird aus Holz gewonnen, oft Eukalyptus, in einem geschlossenen Kreislauf, was sehr ressourcenschonend ist. Es fühlt sich weich an und nimmt Feuchtigkeit gut auf. Es eignet sich gut für Basisschichten, also T-Shirts, die direkt auf der Haut liegen.

Die DWR-Frage: PFC-frei ist Standard

Du brauchst eine wasserabweisende Schicht, aber ohne die bedenklichen PFCs? Das ist heutzutage glücklicherweise kein Hexenwerk mehr. Viele Marken stellen konsequent auf PFC-freie Imprägnierungen um. Achte auf die Kennzeichnung „PFC-frei“ oder „fluorcarbonfrei“.

Diese neuen Technologien arbeiten oft mit Wachsen oder speziellen Polymeren, die ähnlich gut abperlen lassen, aber unbedenklicher sind. Informiere dich bei der Marke, welche Technologie sie verwenden, wenn die Kennzeichnung unklar ist. Es ist dein Recht, das zu erfahren, wenn du Wert auf umweltfreundliche Outdoorbekleidung legst.

Langlebigkeit statt Wegwerfmentalität: Die Qualität erkennen

Der nachhaltigste Kauf ist der, den du nicht wieder tätigen musst. Wenn deine Jacke nach einer Saison auseinanderfällt, war der Kauf trotzdem nicht nachhaltig, egal aus welchem Material sie besteht. Hier spielt die Verarbeitung eine riesige Rolle.

Mehr zu diesem Thema

Hier ist eine kuratierte Liste von Links, die dir alles über Nachhaltige Funktionskleidung: Umweltfreundlich und verrät.

Checks, bevor du kaufst

Nimm das Kleidungsstück in die Hand. Fühlt sich der Stoff robust an? Sind die Nähte sauber verarbeitet? Bei hochwertiger Funktionskleidung sind die Nähte oft verschweißt oder besonders dicht genäht, um Wasser draußen zu halten. Achte auf Reißverschlüsse.

Gute Reißverschlüsse, zum Beispiel von bestimmten bekannten Herstellern, halten viel länger und sind leichter zu reparieren. Sie sind ein Zeichen dafür, dass in die gesamte Lebensdauer des Produkts investiert wurde. Wenn du eine Jacke kaufst, die 200 Euro kostet, muss sie mehr als drei Saisons halten, damit sich der Mehrpreis für dich lohnt.

Überlege auch, ob das Design zeitlos ist. Trendfarben oder auffällige Schnitte sind schnell veraltet. Eine klassische Farbe und eine funktionale Form halten länger im Kleiderschrank und reduzieren deinen Drang, schnell wieder etwas Neues kaufen zu müssen, wenn du nachhaltige Wanderkleidung suchst.

Pflege ist der Schlüssel zur Nachhaltigkeit

Selbst die beste Bio-Baumwollhose oder die neueste Membranjacke verschleißt schnell, wenn du sie falsch behandelst. Die richtige Pflege verlängert die Lebensdauer enorm und hält die Funktion aufrecht. Das ist dein direkter Hebel für mehr Nachhaltigkeit.

Richtig waschen, richtig lüften

Synthetische Funktionskleidung muss nicht oft gewaschen werden. Lüfte sie nach dem Tragen gut durch. Häng sie über Nacht auf den Balkon. Oft reicht das schon. Wenn du sie wäschst, beachte diese Punkte:

  1. Niedrige Temperatur: Wasche Funktionskleidung meistens bei 30 Grad Celsius. Das schont die Fasern und die Beschichtungen.
  2. Keinen Weichspüler verwenden: Weichspüler verklebt die Poren der Fasern und reduziert die Atmungsaktivität massiv. Das ist besonders wichtig bei deinen atmungsaktiven Shirts und Hosen.
  3. Spezielles Waschmittel nutzen: Verwende Feinwaschmittel oder spezielle Sportwaschmittel. Diese reinigen effektiv, ohne die Membranen anzugreifen.
  4. Mikroplastik auffangen: Nutze einen speziellen Waschbeutel (wie einen Guppyfriend), der Mikroplastik beim Waschen auffängt, bevor es ins Abwasser gelangt. Das ist eine direkte Maßnahme, um deinen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.

Imprägnierung auffrischen

Wenn Wasser nicht mehr abperlt, sondern in den Stoff einzieht, musst du die Imprägnierung auffrischen. Das ist keine Schwäche der Jacke, sondern normales Verschleiß der DWR-Schicht. Du kannst das ganz einfach zu Hause machen, oft mit Sprühprodukten oder beim Waschen mit einem Imprägniermittel.

Wichtig dabei: Kaufe immer das PFC-freie Mittel, wenn du das nächste Mal eine Auffrischung brauchst, um die nachhaltige Pflege deiner Outdoor-Ausrüstung sicherzustellen.

Second Hand und Reparatur: Der nachhaltigste Weg

Bevor du überhaupt über neue Produkte nachdenkst, erinnere dich an diese beiden Aspekte: Reparieren und Second Hand kaufen. Das ist oft die umweltfreundlichste Option überhaupt.

Reparieren statt Wegwerfen

Ist nur ein kleiner Riss in der Tasche oder klemmt der Reißverschluss? Oft sind es Kleinigkeiten. Lerne, einfache Reparaturen selbst durchzuführen. Für größere Schäden gibt es spezialisierte Reparaturservices für Funktionskleidung. Diese können oft Membranen professionell flicken oder Reißverschlüsse austauschen, ohne die Funktion der Jacke zu gefährden. Das hält deine teure Anschaffung in Gebrauch und spart Ressourcen.

Gebraucht kaufen

Funktionskleidung hält oft ewig. Deshalb ist der Gebrauchtmarkt dafür ideal. Du findest hochwertige Markenprodukte zu einem Bruchteil des Preises. Plattformen für gebrauchte Sportbekleidung oder lokale Outdoor-Flohmärkte sind gute Orte, um nach deinen neuen Lieblingsteilen zu suchen. So trägst du dazu bei, die Lebensdauer von Kleidung zu maximieren, anstatt neue Nachfrage zu schaffen.

Die Rolle der Siegel und Zertifikate

Wenn du im Laden stehst und die Etiketten liest, kann es schnell unübersichtlich werden. Zertifikate geben dir eine Orientierungshilfe, denn sie überprüfen bestimmte Standards. Sie sind nicht perfekt, aber sie sind ein guter Indikator.

Achte auf Siegel wie den Global Organic Textile Standard (GOTS). Dieser gilt hauptsächlich für Naturfasern, aber wenn eine Mischung vorhanden ist, zeigt er zumindest, dass die Verarbeitung umweltfreundlich war. Für die gesamte Lieferkette ist der Bluesign-Standard sehr relevant. Er bewertet die gesamte Produktion – vom Rohmaterial bis zum fertigen Produkt – hinsichtlich Umweltbelastung, Chemikalieneinsatz und Arbeitssicherheit. Wenn eine Marke Bluesign-zertifiziert ist, kannst du davon ausgehen, dass sie sich intensiv mit der Reduzierung von Schadstoffen auseinandersetzt.

Denke daran: Die nachhaltigste Funktionskleidung ist die, die du besitzt, die du liebst und die du lange pflegst.

häufig gestellte fragen

was bedeutet die dwr-ausrüstung überhaupt?

dwr steht für Durable Water Repellent. Es ist eine spezielle Oberflächenbehandlung, die dafür sorgt, dass Wasser vom Stoff abperlt, anstatt einzuziehen. Früher nutzte man dafür oft umweltschädliche PFC-Chemikalien, heute gibt es glücklicherweise viele PFC-freie Alternativen.

muss ich für nachhaltige funktionskleidung immer mehr bezahlen?

anfänglich kann der preis höher sein, da nachhaltige materialien oder faire arbeitsbedingungen mehr kosten. rechne es aber auf die lebensdauer um. eine qualitativ hochwertige, reparierbare jacke, die zehn jahre hält, ist günstiger als drei billige modelle, die jeweils nach zwei jahren ersetzt werden müssen. die haltbarkeit und die herstellungsweise sind bei allen kleidungsstücken wichtig, wie wir auch am beispiel nachhaltiger damenunterwäsche sehen.

wie erkenne ich schlechte qualität bei gebrauchter funktionskleidung?

prüfe beim kauf von gebrauchter kleidung besonders die beanspruchten stellen. sind die nähte an den schultern ausgefranst? funktioniert der reißverschluss noch einwandfrei und leichtgängig? fühlt sich der stoff an manchen stellen dünn oder labberig an? diese zeichen deuten auf das baldige ende der lebensdauer hin.

Schreibe einen Kommentar