Du sitzt vor deinem Bildschirm, die Depotsübersicht ist offen, und du denkst über deine nächste Investition nach. Dein Ziel ist klar: Du möchtest Geld anlegen, aber es soll sich auch gut anfühlen. Du suchst nach einem nachhaltigen ETF, einer Anlage, die Umwelt und Soziales berücksichtigt, ohne dabei auf Rendite verzichten zu müssen. Die Frage, welcher nachhaltige ETF der beste ist, schwebt wie ein großer Nebel über dir. Das verstehe ich total. Es gibt unzählige Produkte, komplizierte Namen und unterschiedliche Siegel. Lass uns das ganz ruhig angehen. Wir schauen uns gemeinsam an, wie du diesen Dschungel lichter machst und den passenden ETF für dein Depot findest.
Dein Weg zum richtigen nachhaltigen ETF
Die Suche nach dem „besten“ nachhaltigen ETF ist oft frustrierend, weil „beste“ für jeden etwas anderes bedeutet. Ist es der mit den wenigsten CO2-Emissionen? Der, der am meisten Wasser spart? Oder der, der die höchsten Renditen verspricht? Wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Bevor du dir konkrete Produktnamen ansiehst, musst du deine eigenen Prioritäten klären. Das ist der wichtigste erste Schritt, um Enttäuschungen zu vermeiden.
Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich konkret?
Nachhaltige Geldanlagen sind nicht alle gleich. Es gibt verschiedene Ansätze, wie Fondsmanager Unternehmen bewerten. Du musst entscheiden, welche Ausschlusskriterien dir am wichtigsten sind. Frag dich selbst, welche Industrien du auf keinen Fall unterstützen möchtest. Das hilft dir, die Spreu vom Weizen zu trennen, wenn du nach einem nachhaltigen ETF suchst.
- Ausschlusskriterien (Negatives Screening): Möchtest du definitiv keine Firmen im Depot haben, die Waffen herstellen, Kohle fördern oder Tabak verkaufen? Das ist der einfachste Weg, um schnell eine große Auswahl an ETFs auszusortieren.
- Best-in-Class (Positives Screening): Hier investierst du nur in die Branchenführer in Sachen Nachhaltigkeit. Das bedeutet, du hältst vielleicht trotzdem Öl- und Gaskonzerne, aber nur die, die am wenigsten schlecht dastehen.
- Impact Investing: Das ist der aktivste Ansatz. Hier investierst du gezielt in Unternehmen, die nachweislich Lösungen für Umwelt- oder soziale Probleme schaffen – zum Beispiel Firmen für erneuerbare Energien oder sauberes Wasser.
Wenn du weißt, ob du rigoros ausschließen oder aktiv fördern möchtest, wird die Auswahl schon viel übersichtlicher. Viele Anleger, die nach einem ethisch korrekten ETF suchen, starten mit strikten Ausschlusskriterien.
Der Blick auf die Kennzahlen: Was zählt wirklich?
Ein ETF ist immer nur so gut wie die Indizes, die er abbildet. Du musst verstehen, was der Index macht, dem dein ETF folgt. Achte auf diese praktischen Punkte, wenn du die Produktinformationen vergleichst:
1. Die Gesamtkostenquote (TER)
Die TER ist die jährliche Gebühr, die der Fonds für seine Verwaltung verlangt. Bei ETFs sind diese Kosten meist niedrig, aber auch hier gibt es Unterschiede. Ein nachhaltiger ETF kann manchmal etwas teurer sein, weil die Auswahl der Unternehmen aufwendiger ist. Vergleiche die TERs von ähnlichen nachhaltigen Produkten. Sparst du 0,1 Prozent pro Jahr, macht das über lange Zeit einen Unterschied für deine Rendite.
2. Die Abbildungsmethode (Index-Tracking)
Schau dir an, ob der ETF einen sogenannten „ESG-Index“ abbildet. ESG steht für Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). Wenn du wissen möchtest, wie streng die Nachhaltigkeitskriterien sind, schau in das Fondsdokument (den Prospekt). Steht dort, dass der Index nur Unternehmen ausschließt, die gegen internationale Normen verstoßen, ist das eine Basis-Definition. Steht dort, dass nur die Top 25 % der nachhaltigsten Unternehmen einer Branche berücksichtigt werden, ist das deutlich strenger. Weitere Informationen zur Optimierung nachhaltiger Geldanlagen findest du im FNG Forum.
3. Die Wertpapierleihe (Securities Lending)
Einige ETFs verleihen die gehaltenen Aktien, um zusätzliche Einnahmen für den Fonds zu generieren. Das ist an sich neutral, aber es kann passieren, dass Aktien von Unternehmen verliehen werden, die eigentlich laut deiner Nachhaltigkeitsstrategie ausgeschlossen sein sollten. Das ist ein Punkt für fortgeschrittene Prüfungen, aber für viele, die einen wirklich reinen nachhaltigen ETF wollen, wichtig zu wissen.
Die gängigen Indizes verstehen: MSCI vs. FTSE vs. S&P
Die meisten nachhaltigen ETFs bilden einen großen, bekannten Weltindex ab, der dann nach ESG-Kriterien gefiltert wurde. Du wirst häufig auf Bezeichnungen stoßen, die dir vielleicht bekannt vorkommen, aber mit dem Zusatz „ESG“ oder „SRI“ versehen sind.
Wenn du einen globalen ETF suchst, sind die folgenden drei Index-Familien die größten Vertreter:
- MSCI World ESG Leaders / SRI: Diese Indizes filtern den normalen MSCI World. Der Leaders Index nimmt oft die Firmen mit den besten ESG-Ratings innerhalb jeder Branche. Der SRI (Socially Responsible Investing) Index schließt oft ganze Branchen (wie Waffen oder Kohle) rigoros aus.
- FTSE4Good: Dieser Index fokussiert stark auf Unternehmen, die gute Umwelt- und Sozialstandards nachweisen können. FTSE ist bekannt dafür, auch kleinere Unternehmen einzubeziehen, was manchmal zu einer besseren Streuung führen kann.
- S&P 500 ESG: Wenn du dich primär auf den amerikanischen Markt konzentrieren willst, bietet dieser Index eine nachhaltige Variante des S&P 500.
Welcher ist nun der beste? Für viele Einsteiger ist ein ETF, der den MSCI World ESG Leaders abbildet, ein guter Kompromiss. Er bietet die weltweite Streuung, die du von einem Standard-ETF kennst, aber mit einem deutlichen Nachhaltigkeitsfilter.
Der Fokus: Dein Depot soll zur Lebensphilosophie passen
Du investierst nicht nur für morgen, sondern für die nächsten 10, 20 oder 30 Jahre. Dein ETF muss dich auf diesem langen Weg begleiten, ohne dass du ständig zweifelst. Wenn dir die Energie-Transformation extrem am Herzen liegt, dann suche gezielt nach einem thematischen ETF. Diese konzentrieren sich nur auf grüne Technologien.
VIDEO: Nachhaltige ETF finden: So geht's! Ethische Geldanlage mit nachhaltigen ETFs
Thematische ETFs als Ergänzung
Manchmal reicht ein breit gestreuter ESG-ETF nicht aus, wenn du zum Beispiel wirklich nur in Solarenergie oder Wassertechnologie investieren möchtest. Diese sogenannten thematischen ETFs sind oft spannender, aber sie haben zwei Nachteile, die du kennen musst:
- Höheres Klumpenrisiko: Sie sind weniger gestreut. Wenn die Solarbranche einen schlechten Lauf hat, zieht dein ganzer ETF mit nach unten.
- Potenziell höhere Kosten: Die Verwaltung solcher spezialisierten Fonds ist oft teurer als die von großen Indizes.
Ein guter Ansatz für viele, die einen nachhaltigen ETF suchen, ist die Basis breit zu halten. Nimm einen gut diversifizierten, globalen ESG-ETF für 70–80 % deines Geldes. Die restlichen 20–30 % kannst du dann in einen spannenden, thematischen ETF investieren, der deine persönliche Leidenschaft für eine bestimmte Lösung widerspiegelt.
Die Praxis: So vergleichst du die Produkte jetzt
Du hast jetzt die Theorie verstanden. Jetzt geht es darum, konkret zu handeln. Öffne deinen Broker oder einen Preisvergleichsdienst und gib die Stichworte ein, die dir am wichtigsten erscheinen, zum Beispiel „MSCI World ESG“ oder „Nachhaltige Welt-ETFs“. Achte auf diese Details beim direkten Vergleich:
- Fondsvolumen: Ist der ETF groß (über 500 Millionen Euro)? Große Fonds sind tendenziell stabiler und werden seltener geschlossen.
- Replikationsmethode: Physisch oder synthetisch? Physisch bedeutet, der Fonds kauft die echten Aktien. Synthetisch nutzt Derivate. Die meisten Anleger bevorzugen die physische Replikation bei einem nachhaltigen Welt-ETF, weil sie transparenter ist.
- Ausschüttend oder Thesaurierend: Thesaurierende ETFs legen Dividenden automatisch wieder an, was beim langfristigen Aufbau von Vermögen oft bequemer ist.
Denke daran: Der beste nachhaltige ETF ist der, den du kaufst und dann auch liegen lässt. Ein ETF, der alle deine Kriterien zu 90 % erfüllt, aber den du verstehst und dem du vertraust, ist besser als ein ETF, der theoretisch perfekt ist, du aber ständig nach neuen Perfektionen suchst. Setz dich nicht unter Druck, die absolute Spitze zu finden, sondern wähle eine solide, ethisch fundierte Basis für deinen Vermögensaufbau.
Häufig gestellte fragen
welche laufenden kosten sind für einen nachhaltigen etf okay?
Für einen breit gestreuten, globalen nachhaltigen ETF solltest du versuchen, unter 0,30 % jährliche Gesamtkostenquote (TER) zu bleiben. Wenn der ETF sehr spezifisch oder thematisch ist, sind auch bis zu 0,45 % akzeptabel, solange die Auswahl der Unternehmen sehr streng ist. Achte darauf, dass die Kosten nicht der Hauptgrund sind, dich für ein Produkt zu entscheiden, das deinen ethischen Ansprüchen nicht genügt.
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muss ich bei einem nachhaltigen etf mit geringeren renditen rechnen?
Das ist ein hartnäckiges Vorurteil. Studien zeigen, dass nachhaltige Indizes in den letzten Jahren oft gleichgezogen oder sogar besser abgeschnitten haben als ihre nicht nachhaltigen Pendants, gerade weil sie Unternehmen meiden, die hohe Risiken (wie Umweltskandale oder schlechte Arbeitsbedingungen) mit sich bringen. Es gibt keine Garantie, aber aktuell sprechen die Daten dafür, dass du mit einem guten ESG-ETF deine Renditeziele erreichen kannst. Weitere Informationen zum Thema nachhaltig Geld anlegen findest du in unserem ausführlichen Beitrag.
was mache ich, wenn sich die ethik-standards des fonds ändern?
Das ist eine berechtigte Sorge. Du musst das Wertpapierinformationsblatt (KID) des ETFs beobachten. Wenn der Fondsmanager die Regeln des zugrunde liegenden Index ändert – zum Beispiel, wenn er beschließt, Rüstungsfirmen doch wieder zuzulassen – muss das im Dokument vermerkt werden. Wenn dir die neue Ausrichtung nicht mehr passt, kannst du den ETF verkaufen und in ein anderes Produkt umschichten. Das ist der Vorteil von ETFs: Du bleibst flexibel.









